Vom Mäzen zum Projektpaten

Auf der ersten Skizze, bei der die Lage der bestehenden Gebäude noch durch Peilen und Abzählen der Mauerpfosten ermittelt wurde, wurde die weitere Entwicklung des ersten Generalbebauungsplans festgehalten.
Bestandserfassung und Neuplanung

Zwei Mal, im Januar und Oktober, habe ich dieses Jahr Tansania und die Priestergemeinschaft in Sabuco besucht, und während dieser Besuche hat sich meine Rolle für den Bau des Berufsschulzentrums verändert: während ich mich bisher vor allem in der Rolle des Finanzierers und Fundraisers gesehen habe, wurde mir bei den Besuchen klar, dass ich mich auch im Projektmanagement engagieren muss.

Schon im Januar hatte ich eine Projektbesprechung abgehalten, in der der Rahmenplan für die nächsten Bauabschnitte und die Nutzung des Geländes zwischen Beatus, Mrema und mir festgelegt wurden. Im Zuge nachfolgender Telefongespräche wurde dieser Plan weiterentwickelt. Entscheidend war, dass die ALCP ein Nachbargrundstück erwerben konnte auf dem künftig die Quartiere für die Lehrkräfte gebaut werden könnten, so dass sich Privatleben der Erwachsenen und das Schülerleben bedarfsgerecht teilweise trennen lassen. Als uns klar wurde, dass wir die Schule nicht mit Schlafsälen für Mädchen und Jungen würden eröffnen können, wurde beschlossen , den ersten Schlafsaal für die Jungen dort zu errichten wo im Masterplan die Mädchenwohnbereiche vorgesehen sind, ihn aber so zu bauen, dass er später zum Mädchenschlafsaal umgebaut werden kann. Dadurch wird vermieden, dass die für die Jungenquartiere vorgesehenen, am hinteren Ende des Geländes liegende Flächen schon in diesem frühen Entwicklungsstadium mit Gebäuden belegt werden, deren optimale Platzierung sich erst noch finden muss. 

Besuch im Oktober

Im Oktober konnte ich sowohl erfreuliche Baufortschritte besichtigen – der Schlafsaal ist fast fertig, ebenso die zentrale Toilettenanlage beim Schulgebäude – musste aber auch neue Probleme feststellen. Die Zufahrt zum Schulgelände, eine ohnehin schon unwegsame gewundene Schotterpiste war zu einem Slalomkurs verkommen. Quer über die Straße waren die Grundstücksparzellen mit Markierungsgräben angelegt worden, und teilweise hatten die neuen Eigentümer schon mit dem Bau von Häusern mitten auf der alten »Straße« begonnen. Der Bau der neuen Zufahrt verzögert sich immer weiter - die Erschließungskosten»beiträge« der Anlieger sind noch in der »Verhandlung«. Beatus hat zugesagt, den Diesel-Treibstoff für den Betrieb der Baufahrzeuge zu übernehmen. Auch der Elektrizitätsanschluss des Geländes verzögert sich. Erst waren es die fehlenden Leitungsmasten, jetzt ist es der Verteilertransformator…

Wo bleibt die Ausbildungswerkstatt?

Abends auf dem Zimmer entstand diese Zeichnung, mit der ich die Priester schließlich von der Notwendigkeit überzeugen konnte, dass zur Werkstatt auch ein Werkstatthof gehören müsse.
Vision des Werkstatthofs

Aber auch der Werkstattbereich sah noch so aus wie im Januar 2006, außer dass nunmehr im Gebäude gespendete aber reparaturbedürftige Maschinen herumstehen.

Beatus und ich besuchten in den folgenden Tagen sowohl den Development Director des Districts, der uns zwar freundlich empfing, aber auch keine konkreten Terminzusagen machen wollte, als auch verschiedene Reparaturwerkstätten in Arusha. Letzteres sowohl um die dortigen Arbeitsabläufe zu besichtigen, als auch auf der Suche nach geeignetem Lehrpersonal, das die beiden Ausbilder aus Karanzi unterstützen und anleiten könnte.
Das Berufsausbildungszentrum VETA in Moshi, eine Art Polytechnikum zur Weiterbildung von technischen Fachkräften, das auch als eine Art Aufsichtsbehörde für die Berufschulen in Nordtansania fungiert, benannte uns einen fähigen jungen Ausbilder, der bei uns auch einen guten ersten Eindruck hinterließ und an der Stelle eines Werkstattleiters interessiert schien.
Aus diesen Erfahrungen zeichnete ich einen Plan, mit den erforderlichen Gebäuden, die zu einem geordneten Werkstatt- und Ausbildungsbetrieb rund um die Werkstatt noch errichtet werden müssten. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, die Prioritäten auf den Ausbau des Werkstattbereichs zu legen, statt an der weiteren Verbesserung der Unterbringungsmöglichkeiten für Schüler und Lehrer zu arbeiten. Unterkünfte ließen sich anmieten, aber die Qualität der Ausbildung wird letztlich über den Erfolg der Schule entscheiden.
Im Dezember, wenn ich wiederkäme, würden die neuen Gebäude fertig sein, und die Werkstatt mit dem aufgearbeiteten Bestand aus Karanzi so weit eingerichtet sein, dass der Schulbetrieb im Januar 2008, wie vereinbart, aufgenommen werden könne, versicherten mir Beatus und Vater Mrema.