Vom Mäzen zum Projektpaten

Auf der ersten Skizze, bei der die Lage der bestehenden Gebäude noch durch Peilen und Abzählen der Mauerpfosten ermittelt wurde, wurde die weitere Entwicklung des ersten Generalbebauungsplans festgehalten.
Bestandserfassung und Neuplanung

Zwei Mal, im Januar und Oktober, habe ich dieses Jahr Tansania und die Priestergemeinschaft in Sabuco besucht, und während dieser Besuche hat sich meine Rolle für den Bau des Berufsschulzentrums verändert: während ich mich bisher vor allem in der Rolle des Finanzierers und Fundraisers gesehen habe, wurde mir bei den Besuchen klar, dass ich mich auch im Projektmanagement engagieren muss.

Schon im Januar hatte ich eine Projektbesprechung abgehalten, in der der Rahmenplan für die nächsten Bauabschnitte und die Nutzung des Geländes zwischen Beatus, Mrema und mir festgelegt wurden. Im Zuge nachfolgender Telefongespräche wurde dieser Plan weiterentwickelt. Entscheidend war, dass die ALCP ein Nachbargrundstück erwerben konnte auf dem künftig die Quartiere für die Lehrkräfte gebaut werden könnten, so dass sich Privatleben der Erwachsenen und das Schülerleben bedarfsgerecht teilweise trennen lassen. Als uns klar wurde, dass wir die Schule nicht mit Schlafsälen für Mädchen und Jungen würden eröffnen können, wurde beschlossen , den ersten Schlafsaal für die Jungen dort zu errichten wo im Masterplan die Mädchenwohnbereiche vorgesehen sind, ihn aber so zu bauen, dass er später zum Mädchenschlafsaal umgebaut werden kann. Dadurch wird vermieden, dass die für die Jungenquartiere vorgesehenen, am hinteren Ende des Geländes liegende Flächen schon in diesem frühen Entwicklungsstadium mit Gebäuden belegt werden, deren optimale Platzierung sich erst noch finden muss. 

2008 - Schulanfang

Schon 9 Wochen nach meinem letzten Besuch kehrte ich mit der ganzen Familie nach Bomangombe zurück - zum Weihnachtenfeiern in Tansania. Was von den Zeichnungen des Werkstattbereichs würde in dieser kurzen Zeit schon realisiert sein? Gleich am ersten Morgen näherten wir uns über die an manchen Stellen mit neuen Häusern überbaute alte Zufahrt dem VTC Gelände. Schon bei der Einfahrt durchs Haupttor fiel der Blick nicht mehr auf die seit zwei Jahren unveränderte Front des Werkstattgebäudes, sondern ein wellblechbedachter Riegel, die nördliche offene Karrosseriehalle, verstellte den Blick. Dutzende Arbeiter sägten, hämmerten, schauftelten und schleppten - die Baustelle war in vollem Schwung. Man war viel weiter als ich es befürchtet, aber nicht so weit wie ich gewünscht hatte. Alle Gebäude, die Sanitärräume, das Waschgebäude, die Rezeption mit dem Ersatzteillager und die Karosseriehalle waren fast fertig. Aber noch war alles eine Baustelle. Wann sollte das Alles rechtzeitig fertig werden? Rechtzeitig, das hieß in knapp 2 Wochen zum 11. Januar, wenn die Schüler eintreffen würden. Es war klar, dass es nicht zu schaffen sein würde.

Ich musste wieder mal umdenken. Wann ist diese Schule fertig? Die Vorstellung, sie wie ein vollständig eingerichtetes Objekt zu übergeben, wie eine Maschine zur Inbetriebnahme; das ist doch gar nicht meine Aufgabe, meine Rolle. Das passt doch auch gar nicht zu einem Unternehmen, das zur Entwicklung von Menschen da sein soll. Unglaubliches ist geleistet worden; aus Worten und Zeichnungen sind Gebäude geworden. Wenn die Schüler am Anfang ihre Schule erst mal noch herrichten müßten, das wird doch schon ein Teil des Programms. Wie viele Schüler haben nach Zerstörungen, (zu Beispiel nach einem Krieg oder einer Naturkatastrophe) ihre Klassenzimmer wieder hergerichtet, und dadurch ihre Schule erst so richtig in Besitz genommen? Diese Schule in Betrieb zu nehmen ist nicht meine Aufgabe. Das müssen die Lehrer und die Betreiber hinbekommen, und es ist nicht zuletzt die Aufgabe der Schüler selbst.

Besuch im Oktober

Im Oktober konnte ich sowohl erfreuliche Baufortschritte besichtigen – der Schlafsaal ist fast fertig, ebenso die zentrale Toilettenanlage beim Schulgebäude – musste aber auch neue Probleme feststellen. Die Zufahrt zum Schulgelände, eine ohnehin schon unwegsame gewundene Schotterpiste war zu einem Slalomkurs verkommen. Quer über die Straße waren die Grundstücksparzellen mit Markierungsgräben angelegt worden, und teilweise hatten die neuen Eigentümer schon mit dem Bau von Häusern mitten auf der alten »Straße« begonnen. Der Bau der neuen Zufahrt verzögert sich immer weiter - die Erschließungskosten»beiträge« der Anlieger sind noch in der »Verhandlung«. Beatus hat zugesagt, den Diesel-Treibstoff für den Betrieb der Baufahrzeuge zu übernehmen. Auch der Elektrizitätsanschluss des Geländes verzögert sich. Erst waren es die fehlenden Leitungsmasten, jetzt ist es der Verteilertransformator…

Der bange Blick nach vorn'

Als ich 14 Tage späger, kurz vor meiner Abreise die Baustelle noch einmal besichtigte drängten sich denn auch nicht die Fragen der teilweise unfertigen Gebäude in den Vordergrund. Die Infrastruktur in Form von Zufahrtsstraße, Strohmanschluss und Wasserversorgung bereiteten viel mehr Kopfzerbrechen:

Die Zufahrtsstraße wurde zwar inzwischen durch Vermessungsstäbe markiert, die Baumaschinen und das Material muss aber von den staatlichen Stellen bereitgestellt werden. Obwohl wir zugesagt hatten, einen Teil des Diesels für den Betrieb zu übernehmen, konnte keine Termin genannt werden.

In Tansania herrscht Energienotstand. Nicht nur die Wasserspeicher für die Wasserkraftwerke sind fast leer. Das knappe Geld für die Aufrüstung von Gaskraftwerken als Notmaßnahme wurde in den Sand gesetzt. Wegen eines Korruptionsskandal um die Strohmversorgung wurde Ende Januar sogar die komplette Regierung ausgetauscht. Die staatliche Energieverteilungsgesellschaft TANESCO schiebt den schwarzen Peter zwar auf die Regierung, ist aber selbst unfähig die Leitungen und Transformatoren für die Versorgung der Fläche bereitzustellen. Beatus hofft mit Hilfe von Freunden aus Deutschland und Italien einen Transformator beschaffen zu können. Bis dahin will er einen
kleinen gebrauchten Ersatzgenerator von einem Krankenhaus ausleihen, mit dessen Hilfe wenigstens 240 Volt für die Beleuchtung und kleinere Maschinen bereitgestellt werden kann.

Obwohl die Bebauung des Schulgeländes in einem förmlichen Verfahren genehmigt worden ist, wurde nachträglich festgestellt, dass die Druckwasser-Verteilungsleitungder unter dem neuen Schlafsaal verläuft. Für die selbstherrliche Behörde, deren Planungsfehler dies war, ein Grund, den Abriss des Gebäudes zu verlangen! Man werde sich wohl darauf einigen können, die Kosten für die Verlegung der Leitung zu übernehmen, wurde ich "beruhigt". Tja, dies Problem zu lösen, überlasse ich wohl doch besser den Leuten vor Ort...

Ansonsten ist die Wasserversorgung durch den Anschluss an die Kommunale Verteilung zwar gewährleistet, doch sind die Druckschwankungen in diesem System so hoch, dass die flexiblen Anschlüsse der Waschbecken und Toiletten den Druchspitzen nicht immer standhalten können. Um einen geregelten Druck zu bekommen, muss ein eigener Wasserbehälter mit ca.10 m Höhe errichtet werden.

Die Bohrung auf dem Gelände ist zwar in 80m Tiefe auf Wasser gestoßen, aber leider nicht auf trinkbares. Immerhin kann damit bewässert, und, bei entsprechender Trennung der Leitungen, auch die Toilettenspühlungen versorgt werden. Auch dafür wird ein zweiter Tank aufzustellen sein, der mit einer Tauchpumpe versorgt wird.

Mein Rückflug war für den 9. Januar gebucht. Ich konnte nicht warten bis die Schüler zwei Tage später eingetrafen, um sich einer Eingangsprüfung zu unteziehen. Erst zuhause erfuhr ich über das Telefon vom Schulbeginn mit 20 Schülern, die den einen Flügel des Schlafsaals bewohnen, während die zwei Lehrer, vorübergehend im anderen Flügel untegebracht sind. Die vielen Anderen Interessenten, hatte man wegen der Infrastrukturprobleme zunächst abweisen müssen.

Die offizielle Eröffnung mit Teilnahme lokaler und regionaler Prominenz ist für 17.Mai geplant. Hoffentlich bringt das die Lösung des einen oder anderen Problems etwas voran.

Wo bleibt die Ausbildungswerkstatt?

Abends auf dem Zimmer entstand diese Zeichnung, mit der ich die Priester schließlich von der Notwendigkeit überzeugen konnte, dass zur Werkstatt auch ein Werkstatthof gehören müsse.
Vision des Werkstatthofs

Aber auch der Werkstattbereich sah noch so aus wie im Januar 2006, außer dass nunmehr im Gebäude gespendete aber reparaturbedürftige Maschinen herumstehen.

Beatus und ich besuchten in den folgenden Tagen sowohl den Development Director des Districts, der uns zwar freundlich empfing, aber auch keine konkreten Terminzusagen machen wollte, als auch verschiedene Reparaturwerkstätten in Arusha. Letzteres sowohl um die dortigen Arbeitsabläufe zu besichtigen, als auch auf der Suche nach geeignetem Lehrpersonal, das die beiden Ausbilder aus Karanzi unterstützen und anleiten könnte.
Das Berufsausbildungszentrum VETA in Moshi, eine Art Polytechnikum zur Weiterbildung von technischen Fachkräften, das auch als eine Art Aufsichtsbehörde für die Berufschulen in Nordtansania fungiert, benannte uns einen fähigen jungen Ausbilder, der bei uns auch einen guten ersten Eindruck hinterließ und an der Stelle eines Werkstattleiters interessiert schien.
Aus diesen Erfahrungen zeichnete ich einen Plan, mit den erforderlichen Gebäuden, die zu einem geordneten Werkstatt- und Ausbildungsbetrieb rund um die Werkstatt noch errichtet werden müssten. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, die Prioritäten auf den Ausbau des Werkstattbereichs zu legen, statt an der weiteren Verbesserung der Unterbringungsmöglichkeiten für Schüler und Lehrer zu arbeiten. Unterkünfte ließen sich anmieten, aber die Qualität der Ausbildung wird letztlich über den Erfolg der Schule entscheiden.
Im Dezember, wenn ich wiederkäme, würden die neuen Gebäude fertig sein, und die Werkstatt mit dem aufgearbeiteten Bestand aus Karanzi so weit eingerichtet sein, dass der Schulbetrieb im Januar 2008, wie vereinbart, aufgenommen werden könne, versicherten mir Beatus und Vater Mrema.