2008 - Schulanfang

Schon 9 Wochen nach meinem letzten Besuch kehrte ich mit der ganzen Familie nach Bomangombe zurück - zum Weihnachtenfeiern in Tansania. Was von den Zeichnungen des Werkstattbereichs würde in dieser kurzen Zeit schon realisiert sein? Gleich am ersten Morgen näherten wir uns über die an manchen Stellen mit neuen Häusern überbaute alte Zufahrt dem VTC Gelände. Schon bei der Einfahrt durchs Haupttor fiel der Blick nicht mehr auf die seit zwei Jahren unveränderte Front des Werkstattgebäudes, sondern ein wellblechbedachter Riegel, die nördliche offene Karrosseriehalle, verstellte den Blick. Dutzende Arbeiter sägten, hämmerten, schauftelten und schleppten - die Baustelle war in vollem Schwung. Man war viel weiter als ich es befürchtet, aber nicht so weit wie ich gewünscht hatte. Alle Gebäude, die Sanitärräume, das Waschgebäude, die Rezeption mit dem Ersatzteillager und die Karosseriehalle waren fast fertig. Aber noch war alles eine Baustelle. Wann sollte das Alles rechtzeitig fertig werden? Rechtzeitig, das hieß in knapp 2 Wochen zum 11. Januar, wenn die Schüler eintreffen würden. Es war klar, dass es nicht zu schaffen sein würde.

Ich musste wieder mal umdenken. Wann ist diese Schule fertig? Die Vorstellung, sie wie ein vollständig eingerichtetes Objekt zu übergeben, wie eine Maschine zur Inbetriebnahme; das ist doch gar nicht meine Aufgabe, meine Rolle. Das passt doch auch gar nicht zu einem Unternehmen, das zur Entwicklung von Menschen da sein soll. Unglaubliches ist geleistet worden; aus Worten und Zeichnungen sind Gebäude geworden. Wenn die Schüler am Anfang ihre Schule erst mal noch herrichten müßten, das wird doch schon ein Teil des Programms. Wie viele Schüler haben nach Zerstörungen, (zu Beispiel nach einem Krieg oder einer Naturkatastrophe) ihre Klassenzimmer wieder hergerichtet, und dadurch ihre Schule erst so richtig in Besitz genommen? Diese Schule in Betrieb zu nehmen ist nicht meine Aufgabe. Das müssen die Lehrer und die Betreiber hinbekommen, und es ist nicht zuletzt die Aufgabe der Schüler selbst.

Der bange Blick nach vorn'

Als ich 14 Tage späger, kurz vor meiner Abreise die Baustelle noch einmal besichtigte drängten sich denn auch nicht die Fragen der teilweise unfertigen Gebäude in den Vordergrund. Die Infrastruktur in Form von Zufahrtsstraße, Strohmanschluss und Wasserversorgung bereiteten viel mehr Kopfzerbrechen:

Die Zufahrtsstraße wurde zwar inzwischen durch Vermessungsstäbe markiert, die Baumaschinen und das Material muss aber von den staatlichen Stellen bereitgestellt werden. Obwohl wir zugesagt hatten, einen Teil des Diesels für den Betrieb zu übernehmen, konnte keine Termin genannt werden.

In Tansania herrscht Energienotstand. Nicht nur die Wasserspeicher für die Wasserkraftwerke sind fast leer. Das knappe Geld für die Aufrüstung von Gaskraftwerken als Notmaßnahme wurde in den Sand gesetzt. Wegen eines Korruptionsskandal um die Strohmversorgung wurde Ende Januar sogar die komplette Regierung ausgetauscht. Die staatliche Energieverteilungsgesellschaft TANESCO schiebt den schwarzen Peter zwar auf die Regierung, ist aber selbst unfähig die Leitungen und Transformatoren für die Versorgung der Fläche bereitzustellen. Beatus hofft mit Hilfe von Freunden aus Deutschland und Italien einen Transformator beschaffen zu können. Bis dahin will er einen
kleinen gebrauchten Ersatzgenerator von einem Krankenhaus ausleihen, mit dessen Hilfe wenigstens 240 Volt für die Beleuchtung und kleinere Maschinen bereitgestellt werden kann.

Obwohl die Bebauung des Schulgeländes in einem förmlichen Verfahren genehmigt worden ist, wurde nachträglich festgestellt, dass die Druckwasser-Verteilungsleitungder unter dem neuen Schlafsaal verläuft. Für die selbstherrliche Behörde, deren Planungsfehler dies war, ein Grund, den Abriss des Gebäudes zu verlangen! Man werde sich wohl darauf einigen können, die Kosten für die Verlegung der Leitung zu übernehmen, wurde ich "beruhigt". Tja, dies Problem zu lösen, überlasse ich wohl doch besser den Leuten vor Ort...

Ansonsten ist die Wasserversorgung durch den Anschluss an die Kommunale Verteilung zwar gewährleistet, doch sind die Druckschwankungen in diesem System so hoch, dass die flexiblen Anschlüsse der Waschbecken und Toiletten den Druchspitzen nicht immer standhalten können. Um einen geregelten Druck zu bekommen, muss ein eigener Wasserbehälter mit ca.10 m Höhe errichtet werden.

Die Bohrung auf dem Gelände ist zwar in 80m Tiefe auf Wasser gestoßen, aber leider nicht auf trinkbares. Immerhin kann damit bewässert, und, bei entsprechender Trennung der Leitungen, auch die Toilettenspühlungen versorgt werden. Auch dafür wird ein zweiter Tank aufzustellen sein, der mit einer Tauchpumpe versorgt wird.

Mein Rückflug war für den 9. Januar gebucht. Ich konnte nicht warten bis die Schüler zwei Tage später eingetrafen, um sich einer Eingangsprüfung zu unteziehen. Erst zuhause erfuhr ich über das Telefon vom Schulbeginn mit 20 Schülern, die den einen Flügel des Schlafsaals bewohnen, während die zwei Lehrer, vorübergehend im anderen Flügel untegebracht sind. Die vielen Anderen Interessenten, hatte man wegen der Infrastrukturprobleme zunächst abweisen müssen.

Die offizielle Eröffnung mit Teilnahme lokaler und regionaler Prominenz ist für 17.Mai geplant. Hoffentlich bringt das die Lösung des einen oder anderen Problems etwas voran.